Wolfen

Licht und Dunkelheit, ORWO und Ewigkeit: Tobias Zielony setzt sich in seiner Arbeit mit Fotografie und Film als Speichermedien von Licht und Zeit auseinander.

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Die Agfa- und spätere ORWO-Filmfabrik mit ehemals 20.000 Mitarbeiter:innen in Wolfen existiert nicht mehr. Im Sinne eines fiktiven Archives sammelte der Fotograf und Filmemacher Tobias Zielony für das Festival OSTEN in 2022 Bilder und Stimmen von ehemaligen Beschäftigten, die in den Dunkelräumen der Fabrik an der Beschichtung des Filmmaterials arbeiteten. Dabei handelte es sich nahezu ausschließlich um Frauen. Sie arbeiteten vielfach in fast totaler Finsternis, bei Kälte oder Hitze und mit verschiedenen Chemikalien. Auch Zwangsarbeiterinnen wurden hier in der Produktion eingesetzt. 

Zielony erforscht Licht und Dunkelheit in seiner Arbeit jedoch nicht nur mit Blick auf die unmittelbare Produktion des Filmmaterials, sondern auch hinsichtlich der Wirtschaftsverbindungen der DDR. Denn der Staat lieferte das wertvolle Filmmaterial aus Wolfen u.a. auch nach Indien. Von Indien wiederum erhielt die DDR im Gegenzug Knochen von Kühen, die, in der Sonne gebleicht, den Grundstoff für hochwertige Filmgelatine darstellten. Wie für fast alle in der Filmindustrie notwendigen Rohstoffe steht auch hier die Sonne am Anfang der Produktionskette. So sind Licht und Dunkelheit im Medium Film in vielerlei Hinsicht untrennbar miteinander verknüpft.

Heute existiert in Wolfen mit Filmotec nur noch ein kleiner Betrieb, der Archivfilme herstellt, die u.a. das Deutsche Bundesarchiv verwendet. Einmal belichtet und bei Dunkelheit und Kälte gelagert, sollen die auf ihnen gespeicherten Informationen bis zu 1000 Jahre überdauern. Für WOLFEN hat Zielony ein fiktives Archiv auf einem dieser Filme belichtet. Die Arbeit ist inzwischen auch in Buchform erschienen.

Über den PARCOURS

Während des ersten Festivals OSTEN in 2022 hat der Weg in den Kulturpalast nicht durch Portal und Foyer in den Zuschauerraum geführt, sondern eine ganz andere Kurve genommen: Benjamin Foerster-Baldenius (raumlaborberlin), Jan Schlake (la relève) und Christian Göthner (lfm2) haben einen Schubkarren-Parcours durch den Palast gebaut. Der PARCOURS hat dazu eingeladen, Kunstwerke über Bitterfeld-Wolfen zu entdecken und sich dabei gegenseitig zu helfen.

In Kooperation mit

Industrie- und Filmmuseum Wolfen
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden


Weitere Themen

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