(be)STIMMUNG des Ortes als Chor

In einer chorischen Inszenierung haben Studierende der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle den Kulturpalast in Bitterfeld als Erinnerungsort befragt. Die Erinnerungen waren während des ersten Festivals OSTEN in 2022 im Kulturpalast zu hören.

(c) Falk Wenzel

Die Figur des Chores beschreibt eine Versammlung von Stimmen die vom Rande her, aus der Marginalität heraus sprechen und deren Ansprache dem Zentrum gilt. Im Sprechen einer Gemeinschaft wird der Leerstand im Zentrum zum Paradox. Der Bitterfelder Kulturpalast ist ein stillgelegter Erfahrungsort. 1954 eröffnet im Bestreben, Kunst und Kultur mit dem Alltag der Werktätigen des VEB Chemiekombinat Bitterfeld zu verbinden, wurde er bald Austragungsort eines neuen kulturpolitischen Programms der sich aufbauenden DDR: des Bitterfelder Wegs.

Im Zentrum des Kunstwerks „(be)STIMMUNG“ stehen die (im)materiellen Hinterlassenschaften: In einer chorischen Inszenierung wurde der Kulturpalast als Erinnerungsort befragt. Welche Bedeutung trägt er für die Einwohner:innen Bitterfelds? Wie wirkt das ehemalige Volkskunstschaffen in die heutige Bitterfelder Kulturarbeit hinein? Und wie stehen individuelles und kollektives Gedächtnis in einer ständigen Dynamik zueinander? Die Erinnerungen waren während des ersten Festivals OSTEN in 2022 in Form einer Installation mit Hörstück im Kulturpalast zugänglich.

Über ORTSBEGEGNUNG

Inspiriert von OSTEN hat sich ein Seminar der Kunstwissenschaften der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle unter Leitung von Prof. Dr. Nike Bätzner von 2020 bis 2022 mit Bitterfeld, dem Kulturpalast, Geschichte und Gegenwart befasst. In ihren Recherchen haben die Studierenden nicht nur die kulturelle Tätigkeit der Zirkel im Kulturpalast und die verschiedenen Wirklichkeiten der Arbeitswelt im Kombinat, sondern auch generell die Möglichkeiten einer Verschränkung von Kunst und Leben. In ihren künstlerischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen haben sie spezifische Ansatzpunkte gefunden, um das historisch und lebensweltlich Gegebene mit heutigen Fragestellungen zu unserer Verantwortlichkeit im Anthropozän zu verknüpfen. Gespräche mit Zeitzeug:innen waren dabei für die Erforschung des lokalen und geistigen Terrains eine wertvolle Quelle.

Eine Zusammenarbeit mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

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